Konzert 18.09.21, 20:00 Hauptraum Eintritt: 20€ | ermäßigt 17€ (Zum Event anmelden)

Berndt Luef & Jazztett Forum Graz

Outside the cities of gold

Aus aktuellem Anlass wird das Jazzett Forum Graz im heurigen Konzert im Forum Stadtpark wieder einmal Kompositionen aufführen, die Berndt Luef im Rahmen seiner Reihe Outside the cities of gold komponiert hat. Das zentrale Werk der Kompositionsreihe ist die dreisätzige Jazz-Toccata The Refugees.

Besetzung:
Axel Mayer: trumpet & flügelhorn
Willy Kulmer: sopran -& altosax
Patrick Dunst: altsax & bassclarinet
Klemens Pliem: flute, sopran -& tenorsax
Karel Eriksson: trombone
Berndt Luef: vibraphone
Thorsten Zimmermann: bass
Viktor Palic: drums

www.berndtluef.at

Outside the cities of gold

Outside the cities of gold

Wie schon Brecht so treffend gesagt hat „...und man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht“ leben im Umfeld der großen Städte mit ihren Geschäftsvierteln und den oft schon von Privatmilizen bewachten gutbürgerlichen Wohnsiedlungen jene Menschen, die der Kapitalismus zwar als Arbeitsreserve benötigt, denen er aber keinerlei Lebensperspektive erlaubt. Immer mehr „Globalisierungsverlierer“ und Flüchtlinge bilden somit einen Ring um diese goldenen Städte, in denen einige Wenige Gewinne absahnen ohne auch jemals einen Handgriff getätigt zu haben und in denen ein perspektivloser Mittelstand mit immensen Aufwand seinen „Wohlstand“ zu erhalten versucht und dabei politisch nach rechts rückt.
Ob es die Pfirsichpflücker in Südfrankreich, die Erntearbeiter auf den Tomaten- und Paprikaplantagen an der Südküste Spaniens oder die Arbeitssklaven auf den Feldern Apuliens sind: alle wohnen nahe der heimischen Bevölkerung und sind doch weit weg. Sie haben schlechtere Arbeitsbedingungen und eine schlechtere Bezahlung, leben in verheerenden Unterkünften, deren „Mieten“ von den Unternehmen vom Lohn abgezogen werden. Und überall spielen die Behörden und die Polizei mit in diesem Ausbeutungssystem: So tauchen oft an Zahltagen Polizisten auf dem Gelände auf, verhaften sogenannte Unruhestifter und während die anderen Arbeiter fliehen, streifen die Unternehmen den auszuzahlenden Lohn auch noch ein.
Weltweit befinden sich über achtzig Millionen Menschen auf der Flucht. Ein Teil dieser Menschen will der katastrophalen wirtschaftliche Lage ihres Landes entkommen, ein anderer Teil wird vertrieben, da sie der „falschen“ Bevölkerungsgruppe, dem „falschen“ Stamm, der „falschen“ Sprachgruppe oder der „falschen“ Religionsgemeinschaft angehören, da sie in einem Landstrich leben, der plötzlich im Kriegsgebiet verfeindeter Milizen liegt und sie alle wollen in den „goldenen Westen“ und zahlen horrende Summen, um dann in überfüllten und oft seeuntüchtigen Booten vielleicht das europäische Festland zu erreichen. Ihr ständiger Begleiter ist die Angst, das Gefühl der Ausweglosigkeit und der Hoffnungslosigkeit, wahrscheinlich nie mehr zurückkehren zu können. Wenn sie nicht schon bei der Überfahrt sterben, werden sie in Lagern mit meist katastrophalen hygienischen Zuständen zusammengepfercht, bedroht von Krankheiten und Seuchen und den mafiosen Lagerstrukturen. Verurteilt zum Nichtstun sind sie auf Almosen angewiesen, verlieren jede Selbstständigkeit und werden oft genug von der ansässigen Bevölkerung als Bedrohung empfunden und abgelehnt. Um dem Anblick der Flüchtlinge zu entgehen werden in den Städten Mauern errichtet hinter denen diese Menschen mehr vegetieren denn leben können.
Berndt Luef

Outside the cities of gold