Die Geschichte

Gründung
Im Sommer 1958 stellt die „Junge Gruppe“ mit den bildenden Künstlern Othmar Carli, Gustav Zankl und Günter Waldorf ein Ansuchen, um das leer stehende Grazer Stadtpark Café dauerhaft für Kunstveranstaltungen zu nutzen. Die Stadtverwaltung lehnt allerdings ab und beschließt stattdessen den Abbruch des Gebäudes. Erst nach Protesten von Seiten der Presse, Politik und einigen Künstler*innenvereinen wird eine Frist für die Beschaffung der notwendigen Gelder eingeräumt. Die Finanzierung gelingt. Also findet am 15. Jänner 1959 die konstituierende Versammlung des Vereins FORUM STADTPARK statt. Im November 1960 wird das Gebäude mit der Ausstellung „Bekenntnis und Konfrontation“ eröffnet.

Anfangszeit
Als selbst verwalteter Künstler*innenverein, soll das FORUM STADTPARK stärker als bisher die Interessen der Kulturschaffenden vertreten. Besonders jungen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen soll das Haus als Podium dienen. Die Gründer treten zunächst mit dem Anspruch an, alle kulturellen Bereiche – also auch ästhetisch traditionelle, historische, politische und didaktische Themen – einzuschließen. Das Ergebnis sind neun gleichberechtigte Referate. Während der 60er Jahre geht der Anteil an theoretischen Veranstaltungen allerdings immer mehr zurück. Der anfängliche Ehrgeiz eines breiten Spektrums wird abgelöst von einer Konzentration auf zeitgenössische Kunst und Literatur.

Wandlung
In den 60er- und 70er-Jahren entwickelt sich das Haus zu einem der wenigen Präsentation- und Produktionsorte für progressive Kunst und Literatur dieser Zeit und etabliert sich als elitäre Institution. Gleichzeitig beginnt sich das Selbstbild zu wandeln, weg von einem Kulturbetrieb, hin zu einem reinen Kunstbetrieb – möglichst unter Umgehung der sonst üblichen Vermittlungsinstanzen. In diesem Sinn ist das FORUM STADTPARK auch ein Publikationsort und Verlag. Die 1960 gegründete Literaturzeitschrift manuskripte beschert dem Haus internationale Aufmerksamkeit. Außerdem erscheinen hier die Fotozeitschrift Camera Austria, die Filmzeitschrift blimp, die Literaturzeitschrift Absolut, die Essayzeitung Liqueur und die Zeitschrift schreibkraft. Ebenfalls vom Verein mit initiiert: das Avantgarde-Festival steirischer herbst.

Neustrukturierung
1995 tritt Alfred Kolleritsch nach 26 Jahren als Vorsitzender zurück und übergibt an Walter Grond. Mit dem Wechsel im Vorstand gibt es auch einen Austausch der meisten Funktionäre, ReferentInnen und Angestellten. Ziel ist die erneute Öffnung des „elitären“ Vereins für junge Künstler*innen bzw. die Lösung der Erstarrung in einem überholten Avantgarde-Begriff. Referate werden aufgelöst und die künstlerische Arbeit von der organisatorischen getrennt. Damit waren auf Einzelpersonen fixierte Projekte nur noch begrenzt integrierbar. Das Forum Stadtpark Theater, die Camera Austria oder auch die manuskripte gehen von da an eigene Wege.

Umbau & Jubiläum
1997 tritt Peter Zinganel an die Stelle von Walter Grond. Unter seiner Leitung wird das Haus im Jahr 2000 nachhaltig umgebaut und um ein Obergeschoß erweitert. Ab 2003 folgt schließlich Anton Lederer als Vorsitzender, der die bisher eigenständigen Referate zu einem Gremium – dem Programmforum – zusammenfasst, und so die interdisziplinäre Ausrichtung des Hauses weiter ausbaut. 2009 feiert das FORUM STADTPARK unter der Leitung von Bernhard Wolf sein 50 jähriges Jubiläum.

Heute
Heute wie damals versteht sich das FORUM STADTPARK als Mehrspartenhaus, das für einen erweiterten Kunstbegriff und für spartenübergreifendes Arbeiten steht. Pro Jahr finden auf drei Ebenen rund 150 Veranstaltungen in den Bereichen Architektur, Literatur, Bildende Kunst, Film, Fotografie, Medienkunst, Mode, Musik, Theater, Performance und Theorie statt – der Großteil davon bei freiem Eintritt. Es ist der erklärte Anspruch des Hauses, Labor und Plattform für viele Szenen der lokalen, österreichischen und internationalen Kulturproduktion zu sein. Seit 2011 leitet Heidrun Primas das FORUM STADTPARK.

Die Vorstände seit Kolleritsch im Überblick
1995-1997: W. Grond / P. Zinganel (Stv.) / G. Ostanek (Kassierin)
1997-2003: P. Zinganel / G. Muhr (Stv.) / G. Ostanek (Kassierin)
2003-2007: A. Lederer / R. Binder-Krieglstein (Stv.) / A. Putz (Kassierin)
2007-2009: B. Wolf / C. Peschl (Stv.) / A. Putz bzw. ab 2008 K. Petrowitsch (Kassierin)
2009-2011: C. Peschl / H. Primas (Stv.) / K. Petrowitsch (Kassierin)
seit 2011: H. Primas / J. Schrettle (Stv.) / U. Musil (Kassierin)

Literatur zur Geschichte des FORUM STADTPARK
Rigler, Christine: Generationen. Literatur im Forum Stadtpark 1960-1995. Droschl Verlag. Graz 1995. ISBN: 3-85420-422-1
Christine Rigler (Hrsg.): Forum Stadtpark - die Grazer Avantgarde von 1960 bis heute. Böhlau Verlag, Wien 2002, ISBN 3-205-99487-6
 
English Version
 

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